„Wir brauchen leistungsstärkere Anlagen für die bestehenden Standorte“

_AXE1573Der Ausbau von Windenergieanlagen an Land ist ein zentraler Baustein, um die Energieerzeugung zu dekarbonisieren. Mehr Windenergie bedeutet aber nicht unbedingt mehr Windräder. Nachdem sich bereits viele Windräder drehen, geht es nun vermehrt darum, die bestehenden Anlagen zu ertüchtigen. Im Interview mit der Zeitschrift netzpraxis erläutert Hermann Albers, Präsident Bundesverband Windenergie (BWE), weshalb es nun um Leistungssteigerungen, Netzanforderungen und Betriebskonzepte geht. 

Die erneuerbaren Energien haben 2018 über 40 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland übernommen. Dazu hat die Windenergie an Land mit 111 Terrawattstunden (TWh) etwa hälftig beigetragen. Nach den Zielen der Bundesregierung soll bis 2050 der Strom zu 95 Prozent aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. Dazu müssen im Jahr 2050 insgesamt 200 GW installierte Windenergieleistung on-shore zur Verfügung stehen, so Albers. Das bedeute einen jährlichen Zubau von 4.700 MW. Im letzten Jahr und auch in den ersten sechs Monaten 2019 wurde dieser Wert allerdings nicht erreicht.

Für den weiteren Ausbau seien aber nicht unbedingt mehr Standorte erforderlich.  Ende Juni 2019 gab es in Deutschland 29.248 Windanlagen an Land. 2050 werde knapp über 30.000 Windanlagen und 2 Prozent der Landesfläche in jedem Bundesland benötigt, schätzt Albers. Zwar müssten weiterhin neue Gebiete für die Windenergie ausgewiesen werden. Mit dem Auslaufen der Förderung für viele Altanlagen gehe es aber ab 2021 primär um eine Modernisierung und eine Steigerung der Leistung an bestehenden Standorten.

Die neu installierten Anlagen seien mit der ersten Generation, die heute produziere, nicht mehr vergleichbar, betont Albers. Die Narbenhöhe sei in den letzten 20 Jahren durchschnittlich von 71 auf 132 m gestiegen und der Durchmesser der Rotorblätter durchschnittlich von 58 m auf 118 m. Heute würden neue Anlagen mit einer Leistung von 3 MW und mehr gebaut. Das sei etwa dreimal soviel wie im Jahr 2000. Weitere Technologiesprünge seine absehbar: Die Hersteller kündigen Leistungssteigerungen auf 5 bis 6 MW bis zum Jahr 2050 an. Generell sei davon ausgehen, dass es im Zuge des Repowerings zu einer Halbierung der Anlagenzahl bei einer Verdopplung der erzeugten Strommenge komme. Auch Anwohner befürworteten das Repowering häufig, da eine Reduktion der Anlagen mit einer Flurbereinigung einhergehe.Je moderner und größer die Anlage sei, desto besser und vor allem präziser lasse sie sich durch den Netzbetreiber fernsteuern. Das sei zwar auch für kleinere Bestandsanlagen möglich, aber größere Anlagen könnten häufig sogar stufenlos geregelt werden.

Bis zum Jahr 2025 werden 16.000 MW das Ende der Förderung durch das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) erreichen, schätzt Albers. Das sei durchaus eine relevante Größenordnung für die Energieversorgung. Nicht alle Anlagen seien dann am Ende ihrer Lebensdauer. Damit sie aber weiter in Betrieb bleiben, bräuchten die Betreiber Möglichkeiten, den Strom selbst zu nutzen oder weiter zu vermarkten. An der Strombörse werde es aber unter den gegebenen Umständen nur selten möglich sein, kostendeckende Erlöse zu erzielen. Wenn sich die Preise änderten, könnten die Anlagen wieder rentabel werden. Eine Bepreisung von CO2 könnte dazu ebenfalls beitragen. Eine weitere Option sind Direktbelieferungsverträge mit der Industrie, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA). Diese sind in anderen europäischen Ländern bereits üblich.

Das vollständige Interview ist in netzpraxis 10/2019 erschienen.

Bildquelle: BWE

 

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