Anfang 2026 zeigt sich die Energiebranche gefordert: Investitionen in den Umbau zur einer CO2-freien Energieversorgung stehen weiterhin an und hohe Energiepreise belasten den Industriestandort Deutschland. Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel 2026 sprachen sich viele Experten für ein „ins Machen kommen“ aus und machten ihre Einschätzung deutlich, dass bisher viel über Themen diskutiert werde, ohne zu pragmatischen Lösungen zu finden.
Finanzierungsinstrumente für Energie- und Wärmewende finden
Ein großes Thema bei der Umsetzung anstehender Investitionen ist, eine passende Finanzierung zu finden. Der Ausbau und Umbau der Energieinfrastruktur kostet zunächst Milliarden, kann aber über die Betriebszeit langfristig stabile Erträge erwirtschaften. Diese langfristige Perspektive macht die Energiebranche für Kapitalgeber durchaus attraktiv.

Gesamtinvestitionsbedarf für ein klimaneutrales Deutschland: 11,3 Bio. Euro. Quelle: Agora Energiewende
In einer Studie hat der Berliner Think Tank Agora Energiewende untersucht, wie hoch die Investitionen in Deutschland bis zum Erreichen der Klimaneutralität sein müssten. Danach machen die Klimaschutzinvestitionen rund 3 Prozent des BIP aus und fallen zu 80 Prozent in den Sektoren Gebäude und Verkehr an.
Bisher übernehmen Hausbanken vieler Energieversorger die Finanzierung von Investitionen. Allerdings stoßen auch die Finanzinstitute aufgrund des benötigten Volumens an ihre Grenzen. Gesucht werden zusätzliche Instrumente, um die Energie- und Wärmewende durch Kapitalgeber zu finanzieren, die bisher wenig Zugang zur Energiebranche haben.
Kapitalgeber erwarten klar strukturierte Projekte
Allerdings ist der Energiemarkt mit seinen Besonderheiten für Branchenfremde oft unübersichtlich. Viele Stadtwerke sind breit aufgestellt und bedienen mehrere Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge. Vom Schwimmbad, über den Nahverkehr bis zur Entsorgung, Wasser- und Energieversorgung sind die Geschäftsfelder und Erträge sehr unterschiedlich. Auch für die Eigentümerstruktur von kommunalen Unternehmen kann es besondere Vorgaben geben. Die komplexe Struktur bedeutet für Kapitalgeber, dass Risiken schwer zu beurteilen sind.
Um die Energiewende auch für branchenfremde Investoren interessant zu machen, werden in der Energiewirtschaft Möglichkeiten diskutiert, beide Seiten stärker zu vernetzen. Zudem geht es darum, den Kapitalbedarf für die Energiewende-Investitionen zu standardisieren und überschaubarer zu machen. Eine Möglichkeit ist die Gründung von Projektgesellschaften und so die Investitionssicherheit zu verbessern.
Plattformen sollen Vernetzung erleichtern
Aus Sicht von Banken sind Eigenkapitalanteil, Struktur, Fördermittel und solider Cashflow bei Investitionsvorhaben wichtig. Auch die Verlässlichkeit des regulatorischen Rahmens und die Kapitaldienstfähigkeit sind entscheidende Faktoren. Andreas Feustel, IKB Deutsche Industriebank, sieht derzeit zwar kein Finanzierungsproblem insgesamt, betont aber, wie wichtig eine Streuung des Risikos sei. Die Mittelstandsbank strukturiert komplexe Transaktionen und bieten einen Finanzierungsmarktplatz an. Das Unternehmen arbeitet an einer technischen Plattform, um die Kreditgenerierung zu vereinfachen und bis zu einem Volumen von 100 Millionen Euro lieferfähig zu sein.
Bei der konkreten Umsetzung sollen Netzwerke und Plattformen helfen. Thorsten Volz, Partner Simmons & Simmons stellte auf dem Handelsblatt-Energiegipfel die neu gegründete Plattform e-KommUnity vor. Ziel sei es, die Welten von Investoren und Stadtwerken zusammen zu bringen, erläutert Volz. Investoren wollten eine Standardisierung des Kapitals und langfristige Renditeperspektiven. Daher sollten Investitionsprojekte über eine eigene Gesellschaft umgesetzt werden. Dadurch würden die Projekte für große Infrastrukturinvestoren auch aus den europäischen Nachbarländern attraktiv.

Handelsblatt Energie-Gipfel 2026 Thorsten Volz und Manfred Ackermann erläutern die Vorteile einer Vernetzung über digitale Plattformen. Bildquelle:
Dietmar Gust / EUROFORUM
Manfred Ackermann, Emscher Lippe Energie, sieht eine Plattform als wichtigen Weg, um die Energie- und Wärmewende umzusetzen. Städte und Gemeinden sollten ihren Kapitalbedarf ermitteln und verschiedene Finanzierungsweg prüfen. Dazu gehörten eine Finanzierung durch die Gesellschafter und über die KfW. Weiterer Bedarf könne dann durch private Kapitalgeber gedeckt werden.
Neben dem Kapitalbedarf sieht Volz zudem weitere Bereiche, in denen eine engere Vernetzung und ein Austausch über eine Plattform sinnvoll sein können. Dazu gehörten insbesondere Dienstleistungen zur Bauplanung und Projektentwicklung, für die keine Fachkräfte im Unternehmen vorhanden seien.
Produzierende Industrie sieht Energiekosten als Belastung
Ein weiteres großes Thema, das über die Energiebranche hinausreicht, sind die Energiepreise, die industrielle Kunden bezahlen. Matthias Dorn, BASF, beschrieb eine düstere Stimmung, die im Unternehmen herrsche, seit die Gaspreise gestiegen seien. Gas werde nicht nur als Brennstoff sondern auch als Rohstoff benötigt. Ein Umstieg auf grüne Rohstoffe sei möglich, aber bisher zu teuer.

Auf dem Podium v. l.: Kathrin Witsch, Handelsblatt; Julia Metz, Agora Industrie; Thomas Schulz, Bilfinger ; Matthias Dohrn, BASF. Bildquelle: Dietmar Gust / EUROFORUM
Thomas Schulz, Bilfinger, betonte, dass Produktionsstandorte, die in Europa geschlossen werden, in anderen Regionen der Welt aufgebaut würden. Um Deutschland attraktiv für Investoren zu machen, sollten Festlegungen und Beschlüsse schneller umgesetzt werden. Die Energiewende sei eine technische Evolution – das vorhandene sollte weiter entwickelt werden. Allein durch Abschalten würde keine grüne Energie entstehen.
Julia Metz, Agora Industrie, sieht Chancen für Deutschland im grünen Wachstum wie biobasierter Chemie und chemischem Recycling. Bei Greentec sei Deutschland führend, dies bedeute viel Potenzial bei Innovationen, Arbeitsplätzen und die Entwicklung von Wertschöpfungsketten.















