Stromspeicher: In Waltrop entsteht ein großer Batteriepark

Visualisierung des Trianel Batteriespeichers Waltrop (Bildquelle: Trianel)

Sonne und Wind liefern viel Strom, aber nicht ständig. Für die Überbrückung werden Speicher benötigt.  Derzeit gibt es Deutschland einige Projekte zum Bau von Batteriespeichern. Das Unternehmen Trianel  hat im Juli 2026 die längere Planungsphase beendet und sich mit Partnern für den Bau eines Batterieparks im nordrhein-westfälischen Waltrop entschieden.  Ein ausführlicher Bericht über das Vorhaben ist in der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft Ausgabe 3-4/2026 erschienen.

Mit der Weiterentwicklung der Batterietechnologie wird der alte Lehrsatz „Strom ist nicht speicherbar“ zunehmend widerlegt.  Ohne Speicher wird ein Stromsystem mit überwiegender Erzeugung aus Sonne und Wind nicht funktionieren und die Systemkosten steigen. Zudem geraten die Netze geraten an ihre Grenzen und Marktmechanismen verlieren an Effizienz.

Rein technisch ist mehr Flexibilität im Energiesystems über Batterien umsetzbar. Ob diese gebaut werden, hängt davon ab, wie Investoren die Wirtschaftlichkeit einschätzen. Die Stadtwerke-Kooperation Trianel hat diese Frage positiv beantwortet und sich für den Bau eines Batteriespeichers entschieden. Das Großprojekt soll im Jahr 2028 in Waltrop neben dem Kraftwerk Lünen den Betrieb aufnehmen.

Wirtschaftlichkeit entscheidet über Umsetzung

Nach Angaben von Trianel wurden im Mai 2026  die finalen Genehmigungen für den Bau des Umspannwerkes sowie der Batteriespeichersysteme erteilt. Gleichzeitig habe die Bundesnetzagentur bestätigt, dass eine Befreiung der Speicher von den Netzentgelten für weit fortgeschrittene Speicherprojekte bestehen bleibe. Diese Regelung gilt als entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Umsetzung des Vorhabens.

Sven Becker, Trianel (Quelle: Trianel)

„Wir freuen uns, dass nach den regulatorischen Unsicherheiten der letzten Monate nun Klarheit geschaffen wurde und wir als Trianel die Investitionsentscheidung für dieses Leuchtturmprojekt der Energiewende treffen können“, erklärt Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH.

„Mit dem Batteriespeicher in Waltrop liefern wir die dringend benötigte Flexibilität für ein Energiesystem, das zunehmend von erneuerbaren Energien geprägt ist. Dass wir nun in die Bauphase eintreten können, ist ein wichtiger Schritt für das Projekt und ein weiterer Meilenstein in unserer Strategie, die Integration erneuerbarer Energien aktiv voranzutreiben,“ erläutert Becker. Die wichtigsten Großkomponenten wurden zwischenzeitlich bestellt. Bereits für die Projektentwicklung hat Trianel einen zweistelligen Millionenbetrag investiert.

Flexibler Betrieb soll Markt und Netz verbinden

Markus Hagel, Klaus Horstick und Lars Becker beim Pressegespräch im Rahmen der Messe E-World 2026.

Batteriespeicher sind weder Erzeuger noch Verbraucher. „Batteriespeicher sind marktlich finanzierte Flexibilität. Dafür brauchen sie einen stabilen und verlässlichen Rahmen,“ macht Klaus Horstick, Geschäftsführer, Trianel Flexibilitätsprojekte deutlich.

Flexibilität liefern Batteriespeicher, indem sie Erzeugungs- oder Lastspitzen ausgleichen sowie Preisspitzen glätten. So können sie beispielsweise mittags bei günstiger Stromproduktion aus Photovoltaik laden und dann im weiteren Verlauf des Tages bei niedriger Einspeisung aus Sonne und Wind den Strom wieder anbieten und damit von den Preisschwankungen profitieren.

Projektgesellschaft investiert am Standort Waltrop

Für die Umsetzung des Speicherprojektes in Waltrop wurden Projektgesellschaften gegründet. Die Infrastrukturgesellschaft TBW ist über einen Dienstleistungsvertrag mit der Trianel GmbH verantwortlich für die Bereitstellung von Fläche, Netzanschluss sowie Umspannwerk und Trafos. Die Speichergesellschaften weiterer Investoren halten Nutzungsverträge mit der TBW für die Infrastruktur: So betreibt das Unternehmen Luxcara 520 Megawatt (MW) und das Schweizer Unternehmen BKW einen Anteil von 300 MW. Für die Gruppe der kommunalen Versorger ist eine Kapazität von 80 MW vorgesehen.

Das Speicherkraftwerk soll neben dem Trianel-Kraftwerk in Lünen soll auf einer Industriebrache der benachbarten Gemeinde Waltrop gebaut werden. Die Anlage wird auf 900 MW Leistung und 1.800 Megawattstunden Kapazität ausgelegt und an das 380 kV Netz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion angeschlossen.

Batterien sollen die Energiewende günstiger machen

Nach Beobachtungen von Trianel sind die Zeiten, in denen Stromabnehmer Geld für den Strombezug bekommen in den Jahren 2023 und 2024 stark gestiegen: Im Jahr 2024 gab es insgesamt 457 Stunden, in denen die Preise negativ waren. In diesen Zeiten bekommen Stromverbraucher dafür Geld, dass sie Strom aus dem Netz nehmen.

Der Batteriespeicher in Waltrop wird die Funktion übernehmen, Strom aus dem Netz einzuspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Dabei soll die Batterie ausschließlich über das Stromnetz betrieben werden, ein direkter Anschluss von Erzeugungsanlagen ist nicht geplant.

Immer häufiger wird mehr Strom erzeugt als ins Netz passt. (Bildquelle: Trianel)

Ein Einsatz von Batterien kann die Energiewende insgesamt günstiger machen, da weniger Kosten durch Resdispatch, Abregelung oder zusätzlichen Netzausbau entstehen. So sind nach Analysen von Trianel die jährlichen Kosten für Redispatch in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2022 betrugen diese 2.689,2 Millionen Euro. Benötigt wurde 2022 ein Volumen von 24.115 Gigawattstunden (GWh).

Der vollständige Beitrag ist in der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft Ausgabe 3-4/2026 erschienen. Die verwendeten Fotos und Grafiken hat Trianel zur Verfügung gestellt.

www.trianel.com

www.energie.de

Bestandsaufnahme Energiewende im Januar 2022: Es gibt viel zu tun.

Handelsblatt-Energiegipfel 2022 in Berlin

Hybrider Branchentreff im Januar 2022: Online und auf der Bühne viel Diskussion um die Energiewende. Bildquelle: Handelsblatt-Energiegipfel

Der jährliche Branchentreffpunkt „Handelsblatt-Energiegipfel“ Mitte Januar zeigt die Agenda der aktuellen Energiethemen zu Beginn des neuen Jahres. Für 2022 fällt die Bilanz gemischt aus. Fortschritte bei der Dekarbonisierung gibt es, aber sie bleiben hinter den Zielen zurück. Gesucht wird die konkrete Gestaltung eines neuen Energiesystems und einer klimaneutralen Wirtschaft.

Auf der Branchenveranstaltung zum Jahresauftakt kamen Vertreter aus Energiewirtschaft, Verkehrssektor, Industrie, Politik und Wissenschaft in Berlin und digital zusammen und zeigten insgesamt ein großes Verständnis für den Transformationsprozess und die nötigen Schritte. Dekarbonisierung der Wirtschaft wird vor allem verstanden als eine Stromproduktion aus Strom aus Photovoltaik- und Windanlagen, Gaskraftwerke als Unterstützung sowie eine Wasserstoffinfrastruktur als Speichermedium und Rohstoffbasis für die industrielle Produktion insbesondere in der Chemie- und Stahlindustrie.

Das Ziel: Klimaneutralität und günstige Energieversorgung

Robert Habeck betonte die Notwendigkeit des Umbaus und der staatlichen Unterstützung. Bildquelle: Handelsblatt-Energiegipfel

Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz betonte die Notwendigkeit von Emissionssenkungen in allen Branchen, damit Deutschland bis 2045 klimaneutral werden könne. Er sieht in der Überwindung des fossilen Energiesystems zudem die Chance auf eine günstigere Energieversorgung durch erneuerbare Energien, wenn die nötige Infrastruktur mit Erzeugungsanlagen, Netzen und Elektrolyseuren erst einmal aufgebaut sei. Für Investitionen in die Dekarbonisierung kündigte er staatliche Unterstützung an.

Klimafreundliche Mobilität als persönliche Entscheidung

Neben Energiewirtschaft und Industrieproduktion ist die Transformation auch eine Aufgabe für den Verkehrssektor. Bundesverkehrsminister Volker Wissing appellierte an jeden einzelnen Bürger, einen Beitrag zur Verkehrswende zu leisten. Ob E-Auto, Hybrid, Fahrrad oder öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) – jeder solle entscheiden, welche Form der klimafreundlichen Mobilität für ihn passe. In ländlichen Regionen werde weiterhin der Individualverkehr benötigt, während in den Metropolen ein dichtes Angebot durch den ÖPNV möglich sei. Viele Menschen wünschten sich zudem den Ausbau von Radwegen.

Die Vielfalt der Wege zu mehr Klimaschutz steht auch für den Prozess der Transformation als Ganzes. Zentral bleibt dabei die Frage, was grüne Energie ist und wie diese in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen kann. Auf europäischer Ebene wurde Ende 2021 in der EU-Taxonomie die Klimafreundlichkeit von Investitionsvorhaben definiert. Dieser Rahmen soll Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichten und damit  Finanzinvestoren die Bewertung erleichtern, ob eine Anlage nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes ist.

EU-Taxonomie zur Bewertung grüner Investitionen umstritten

Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel 2022 äußerten sich viele Branchenvertreter kritisch zu den jüngsten europäischen Vorgaben. Im Zentrum der Bedenken stehen die geplanten Bewertungen von Investitionen in Kern- und Gaskraftwerke. Aus deutscher Sicht ist unverständlich, dass die europäischen Vorgaben Investitionen in Atomkraftwerke als klimafreundliche Energieerzeugung einstufen. Zwar entsteht bei der Stromerzeugung kein CO2, allerdings wird die Technologie selbst und die damit verbundenen radioaktiven Abfälle in der deutschen Gesellschaft als ein zu großes Risiko wahrgenommen.

Kritisiert wurden zudem die Vorgaben der EU-Taxonomie für Gaskraftwerke als zu rigide. Die Branche sieht darin einen Widerspruch zum großen Bedarf in Deutschland an Backup-Kraftwerken als Ergänzung zur fluktuierenden Einspeisung aus Photovoltaik und Windanlagen. Die stark einschränkenden Vorgaben in Bezug auf  Größe und technische Ausstattung könnten zur Folge haben, dass Investitionen in Gaskraftwerke ausbleiben.

Abseits der Diskussionen über den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern mit vorhandenen Technologien entwickeln sich auch neue Verfahren der Energiegewinnung. Das Startup Marbel Fusion aus München stellte eine Methode vor, mit Lasertechnologie eine Kernfusion zu erzeugen. Die geplanten Kraftwerke sollen in der Lage sein, Strom CO2-frei und sicher zu erzeugen.

Keine Denkverbote: Diskussion über technische Möglichkeiten von Kernfusion, CO2-Abscheidung und Speicherung. Bildquelle: Handelsblatt-Energiegipfel.

Forschung an Fusionskraftwerken

Grundlegend für die Entwicklungen von Marbel Fusion sind Fortschritte bei Lasertechnik und Plasmaphysik. Insbesondere jüngste Innovationen der Laser- und Materialwissenschaft ermöglichten ultrakurzgepulstete, hochintensive Laser und nanostrukturierte Treibstoffe. Bei der Verwendung von Wasserstoff und Bor als Fusionstreibstoffe entstehen nach Unternehmensangaben keine problematischen Abfälle. Fusionskraftwerke könnten nach Einschätzung von Marvel Fusion ab den 2030er Jahren an bestehenden Kraftwerksstandorten alte Anlagen ersetzen und Ballungsräume und energieintensive Industrien versorgen.

https://marvelfusion.com

https://veranstaltungen.handelsblatt.com/energie/

Second Live für Wärme aus Industrieprozessen

Es qualmt, raucht und dampft. Viele industrieelle Prozesse benötigen hohe Temperaturen und anschließend wird die Wärme an die Umgebung abgegeben. Dabei gilt diese Wärme als CO2-frei und ohne zusätzlichen Brennstoff erzeugt, da prozessbedingt (also „eh da“). Könnte diese „eh-da“-Wärme nicht verstärkt zum Beheizen von Wohnungen oder öffentlichen Einrichtungen genutzt werden? Auf der Online-Veranstaltung „Warm, wärmer, heiß“ der EnergieAgentur.NRW wurden Möglichkeiten der Abwärmenutzung vorgestellt.

Eine Studie im Auftrag des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat die industrielle Abwärme konkret von 105 Unternehmen im Rahmen einer Hot-Spot-Analyse ausgewertet. Von dem verfügbaren Abwärmepotenzial von 4,6 TWh pro Jahr könnten 2,3 TWh pro Jahr technisch verwendet werden und für 2,2 TWh pro Jahr wären sogar Wärmenetze verfügbar.

Online-Wärmekataster gibt Überblick

In der Abschätzung für das gesamte Bundesland kommt die Studie auf 7,2 TWh pro Jahr. Etwa die Hälfte dieser Abwärme stammt aus der Metallerzeugung und -bearbeitung, 11 Prozent aus der Chemieindustrie und 17 Prozent aus dem Bereich Glas, Keramik, Steine und Erden. Die ermittelten Daten wurden in einem Online-Wärmekataster dokumentiert. Unterschieden wird dabei zwischen Wärmequellen aus Abwärme und erneuerbaren Energien. Bei den Wärmesenken wird zwischen Wohngebäuden, Nichtwohngebäuden und Fern-/Nahwärmenetz differenziert. Auf diese Weise lässt sich prüfen, ob ein Wärmebedarf durch eine nahliegende Wärmequelle gedeckt werden kann. Die transparente Aufbereitung der Daten ist ein erster Schritt, um für Abwärme eine zusätzlichen Verwendung zu finden.

Etwa die Hälfte der gefundenen Abwärme lässt sich in Wärmenetzen nutzen.

Bei einer Untersuchung von 105 Unternehmen wurde ein Potenzial von 4,6 TWh/a gefunden. (Quelle: LANUV)

Der Verband der Industriellen Kraftwirtschaft (VIK) hat sich weitergehend mit der Frage beschäftigt, wie Abwärme effizient genutzt werden kann: „Aus Gründen der Effizienz sollte Abwärme möglichst vermieden werden oder in den Prozess zurückgeführt werden,“ empfiehlt Markus Gebhardt, VIK. Dabei sei die Heizung der Betriebsgebäude ist eine besonders effiziente Variante, da dies vor Ort möglich ist. Die Abwärme könne auch in Strom oder Kälte umgewandelt werden.

Temperatur entscheidet über effizienten Einsatz

Wichtig sei es auch zu differenzieren: „Abwärme ist nicht gleich Abwärme. Der Einsatzbereich unterscheidet sich nach der Temperatur“, betont Gebhardt. Dampf von 250° bis 540 °C sei besonders für die Stromerzeugung geeignet. Temperaturen von 125° bis 400 °C eigneten sich für die Vorwärmung von Speisewasser und Verbrennungsluft. Trocknungsprozesse arbeiteten Temperaturen von 125° bis 275 °C. Die Kälteerzeugungen funktioniere mit 80° bis 160° C. Für Heizung und Warmwasser seien Temperaturen von 75 ° bis 125° C nötig.

Ganz anders ist der Wärmebedarf hingegen in Wohngebäuden. „Für die Erwärmung von Wasser, den Betrieb von Wärmepumpen oder die Heizung muss die Abwärme eine Temperatur von 30° bis 75°C haben. Dies zeigt, wie niedrig die Temperaturen für Wohnquartiere im Vergleich zu Industrieprozessen sind“, erläutert Gebhardt. Weiterlesen →