Energiewirtschaft entwickelt E-Mobilität zum Geschäftsfeld

PI_20190906_BDEW-Energietrends-Entwicklung-ElektromobilitaetDas Interesse am Autofahren mit Strom wächst. Nach einer Umfrage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kann sich ein Viertel der Befragten vorstellen, sich selbst in den nächsten 5 Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Die Anzahl der Skeptiker, ist allerdings ebenfalls hoch: Nur knapp 25 Prozent der Befragten erwarten, dass Elektroautos in den nächsten 5 Jahren zum Straßenbild gehören werden. In der neuen Ausgabe von  EW spezial Stadtwerke II / 2019  ist dazu ein Überblicksartikel erschienen.

Strom im Verkehrssektor bringt für die Energiewirtschaft neue Geschäftsfelder: „Während wir in der Ära der Benzin- und Dieselfahrzeuge keine Rolle im Verkehrssektor hatten, wird die Energiebranche im Verkehr der Zukunft zu einem zentralen und unverzichtbaren Player“, so die Einschätzung von Christian Meyer-Hammerström, Osterholzer Stadtwerke und Vizepräsident des BDEW.

Zu den neuen Angeboten gehören bei vielen Stadtwerken Sondertarife für Fahrstrom, die Beratung zu Fragen des Netzanschlusses und eine Kooperation mit einem Autohaus vor Ort. Um auch auf langen Strecken zuverlässig unterwegs sein zu können, gebe es Angebote für die Urlaubszeit, das E-Mobil gegen ein herkömmliches Fahrzeug zu tauschen, so Meyer-Hammerström. Der Ladesäulenbetreiber Allego bietet seinen Leasingkunden die Installation einer Wallbox zuhause oder am Arbeitsplatz an und berücksichtigt dabei auch Vergünstigungen durch eine staatliche Förderung.

Die Energiebranche ist zuversichtlich den entstehenden Mehrbedarf an Strom zuverlässig abdecken zu können. Wenn im Jahr 2030 rund 10 Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs seien, würde der Stromverbrauch um 4 Prozent steigen. Nach Angaben des BDEW können die deutschen Stromnetze schon heute bis zu 13 Millionen Elektrofahrzeuge laden. Das entspricht 30 Prozent des deutschen PKW-Bestandes. Aktuell existieren in Deutschland rund 20.600 öffentliche Ladepunkte. Das würde ausreichen, um mehr als 400.000 Elektrofahrzeuge regelmäßig zu laden. Derzeit sind rund 210.000 E-Autos zugelassen, also etwa die Hälfte der möglichen Kapazität.

E.ON hat sein Stromnetz einem Stresstest unterzogen, um die künftigen Anforderungen zu simulieren. Dazu wurde angenommen, dass die heute vorhandenen 6,5 Mio. Autos in der Region innerhalb von 20 Jahren elektrisch fahren. Der zusätzliche Stromverbrauch für den Verkehrssektor wäre kein Problem für die Infrastruktur, so das ein Ergebnis. Die Gleichzeitigkeit des Ladevorgangs muss allerdings berücksichtig werden. Um auf Lastspitzen reagieren zu können seien Investitionen in regelbare Ortsnetztransformatoren und Batterien erforderlich. Johannes Teyssen, E.ON betont: „Als größter deutscher Energieversorger sind wir auf rasant steigende Neuzulassungen gut vorbereitet und werden 2,5 Mrd. in den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze bis zum Jahr 2045 investieren. Bei einer Vollelektrifizierung sind das 400 Euro je E-Auto.“

Als Nachteil der Elektroautos wird immer wieder eine deutlich geringere Reichweite im Vergleich zu Verbrennungsmotoren genannt. Diese Reichweitenangst ist aber in den meisten Fällen unbegründet. Laut Statistischem Bundesamt haben 76 Prozent der Erwerbstätigen einen maximalen täglichen Hin- und Rückweg zur Arbeit von knapp 50 Kilometern. Nur 4,5 Prozent fahren täglich mehr mehr als 50 km. Durchschnittlich kommen E-Fahrzeuge auf eine Reichweite von 250 bis 300 Kilometern. Das würde einen Ladevorgang pro Woche bedeuten.

Bisher gehören Ladesäulen vor allem in den Städten zum Stadtbild. Der BDEW sieht aber auch große Chancen für den Ausbau in ländlichen Regionen. „Rund 85 Prozent der Ladevorgänge finden zuhause oder im Betrieb statt. Dafür werden Wallboxen benötigt. Hier ist der ländliche Raum gegenüber Metropolregionen sogar im Vorteil, da auf dem Land relativ mehr Menschen im eigenen Haus leben,“ erläutert Meyer-Hammerström.

Der vollständig Beitrag ist in EW spezial Stadtwerke II / 2019 erschienen.

www.fahrt-ins-gruene.de

Bildquelle: BDEW