Die Idee eines Kombinationsnetzbetriebs

IMG_2065.JPGNetze für Strom, Gas, Elektromobilität, Wärme, Wasser, Telekommunikation sind Bereiche, die bisher häufig von unterschiedlichen privaten oder kommunalen Unternehmen angeboten werden. Unter der Bezeichnung Sektorenkopplung sollen „vernetzte Netze“ nun für mehr Effizienz sorgen und zur vereinfachten Integration erneuerbarer Energien beitragen. In Berlin gibt es bereits konkrete Vorstellungen, wie eine Kooperation dieser – heute separierten – Netze durchgeführt werden sollte. Im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert  Wolfgang Neldner, Geschäftsleiter, Landesbetrieb Berlin Energie, die Idee eines Kombinationsnetzbetriebs.

In Berlin findet derzeit die Neuvergabe von Konzessionen für das Gas- und Stromnetz statt. Der Landesbetrieb Berlin Energie wurde 2012 gegründet, um die Teilnahme des Landes Berlin an den Verfahren zu ermöglichen. Kurzfristiges Ziel des Unternehmens ist der Erwerb der rechtswirksamen Konzessionen für das Gas- und Stromverteilungsnetz von Berlin. „Langfristig streben wir einen sparten- und energieartenübergreifenden Kombinationsnetzbetrieb in kommunaler Verantwortung an, “ so Neldner. Das ganze Versorgungssystem werde über die Netze gesteuert. Berlin als schnell wachsende Metropole mit einer hohen Konzentration unterschiedlichster Netze auf engstem Raum könne bei einer Transformation dieser Energiesysteme zu einem Leuchtturm für Deutschland werden. Prognosen für die Hauptstadt gehen von vier Millionen Einwohnern im Jahr 2030 aus. Das wäre ein Zuwachs von einer halben Million Menschen in den nächsten 15 Jahren.

Dahinter steht eine neue strategischer Ausrichtung einer Energiewende, die über eine Erzeugungs- und Stromwende hinaus geht.  Neldner: „Da die Speicherung von Elektrizität sehr begrenzt ist und die regenerativen Energien „naturgesteuert“ zur Verfügung stehen, kommt der Energieumwandlung eine zunehmende Bedeutung zu. Gas und Wärme sind sehr gut speicherbar und die Vernetzung erfolgt – neben lokalen Verknüpfungen – vor allem über die Kombination der Verteilungsnetze.“ Dies erfordere eine leistungsstarke Informations- und Kommunikationstechnik.

Auch in Berlin wird der „Energieabnehmer“ immer mehr zu einem Multi-Akteur, der Energie mit eigenen Anlagen bereitstellt, umwandelt, speichert, in das Netz speist oder daraus entnehmen wird. Ein kommunaler Berliner Verteilungsnetzbetreiber von morgen könne „mit den Netzen aus einer Hand“ hier Partner, Vermittler und sogar auch Kunde sein. Berlin ist bisher eine der wenigen Städte Deutschlands, in der alle netzbezogenen Dienstleistungen von unterschiedlichen Unternehmen durchgeführt werden. Beim Neuanschluss eines Hauses sind laut Neldner z.B. einzelne Anträge bei den jeweiligen Netzbetreibern erforderlich. Durch fehlende Koordination der Anschlusstermine kommt es z.B. vor, dass die Anlieger-Straße nacheinander mehrfach aufgerissen wird. Das sind unnötige Baukosten, mehr Lärm, Staub CO2 und einfach absolut vermeidbarer Stress. Nach dem Beispiel vieler anderer Städte will Neldner im Sinne der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger für geringere Kosten und mehr Schnelligkeit sorgen.

Zentrales Element ist die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Versorgung in der Hauptstadt. Neldner: „Ein Blackout darf auf gar keinen Fall passieren, das ist oberste Priorität. Durch die engere Zusammenarbeit der Sektoren, vor allem aber auch die spartenübergreifende Aus- und Weiterbildung, das regelmäßige übergreifende Training wird sich die Sicherheit deutlich erhöhen lassen.“ Anderenorts seien Kombimonteure der Normalfall, ein einheitliches Anlagen-, Service- und Entstörungsmanagement, oder eine Verbundwarte für Wärme, Strom, Gas und Wasser bewährte Praxis. Auch hier werde durch einen kommunalen Netzbetreiber, von und für Berlin, größte Sorge getragen, dass in jeder Lage ein enges Zusammenspiel mit den Senatsverwaltungen, der Feuerwehr, der Bezirke, der Berliner Verkehrs-und Wasserbetriebe und natürlich des Technischen Hilfswerks, der Polizei und weiterer Stellen gewährleistet wird.

Das vollständige Interview ist in ew 6 /2016 erschienen.

 

Offshore-Windenergie im Plan

offshore2Der Ausbau von Windanlagen auf See gewinnt an Dynamik: Anfängliche Probleme und Verzögerungen beim Anschluss an das Stromnetz sind gelöst. Für 2015 meldet die Branche einen Rekord von 2.282 MW neuen Offshore-Windanlagen. Die Steigerung um 225 % im Vergleich zum Vorjahr wird aber eine Ausnahme bleiben. Für die nächsten Jahre ist ein jährlicher Zubau von 800 bis 900 MW realistisch. Weiterlesen

Kein Infrastruktursystem wird bis zur Belastungsspitze ausgebaut

IMG_1525Wieviel Stromleitungen brauchen wir in Deutschland? Über diese Frage wird viel gestritten, denn jeder km neue Leitung kostet Geld und sorgt für Missstimmung bei den Anwohnern. Dass nicht für jede überschüssige Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien auch Transportkapazität zur Verfügung stehen muss, erläutert Dr. Henning Schuster, E-Bridge Consulting im Interview mit der Zeitschrift ew – Magazin für die Energiewirtschaft.

In einer Studie hat E-Bridge analysiert, wie der Netzausbau in optimaler Weise aussehen könnte. Ein großer Effekt auf den Investitionsbedarf und die Kosten ergibt sich, wenn das Netz nicht bis zur Aufnahme der letzten Kilowattstunde ausgebaut wird und Erzeugungsspitzen einfach gekappt werden. Kein Infrastruktursystem ist bis zur letzten Belastungsspitze ausgebaut: Auf unseren Straßen kommt es selbstverständlich zu Staus und an Silvester stehen auch nicht genügend Telefonleitungen für die Neujahrswünsche zur Verfügung.

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Teilung der deutsch-österreichischen Preiszone wäre ineffizient

StrommastvonuntenDeutschland und Österreich haben einen gemeinsamen Strommarkt. Damit sind sie Vorreiter für den künftigen europäischen Binnenmarkt. Die Auswirkungen sind allerdings umstritten. So lange in Deutschland wichtige Stromleitungen fehlen, gibt es immer wieder Verzerrungen im Markt. Eine Idee ist die Verkleinerung der Marktgebiete mit unterschiedlichen Preisen. Diese Frage hat das Beratungsunternehmen Consentec in einer Studie untersucht. Der vollständige Beitrag ist in ew 5 / 2015 erschienen.

Eine Aufteilung des deutsch-österreichischen Strommarktes in zwei Zonen, für die unterschiedliche Strompreise gelten, ist in keine Alternative zum Ausbau des innerdeutschen Stromnetzes. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ökonomische Effizienzanalyse der Einführung kleinerer Gebotszonen“ des Beratungsunternehmens Consentec im Auftrag der Strombörsen EEX und EPEX Spot. Hintergrund für die Untersuchung ist die politisch kontrovers diskutierte Umsetzung des Netzausbauplans mit dem Bau zusätzlicher Netztrassen, um ein Überangebot an Strom in Norddeutschland zu den Verbrauchsschwerpunkten in Süddeutschland zu transportieren. Die europäischen Energiebörsen EEX und EPEX Spot für die Spotmärkte in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz befürchten, dass durch mangelnden Netzausbau die Funktionsfähigkeit des Handels eingeschränkt werden könnte.

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