CO2-Reduktion durch Sektorenkopplung in Berlin

Version 2Am Beispiel der größten deutschen Stadt wird deutlich, was die Klimaziele im Detail bedeuten. Hier gibt es in jedem Sektor andere Antworten auf die Frage der CO2-Reduktion. Im Interview für Septemberausgabe der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der GASAG, wie ganzheitliche Lösungen mit Strom, Gas und Wärme aussehen. 

Der Gasversorger in Berlin realisiert die Themen Energiewende und CO2-Reduktion in unterschiedlichen Projekten. Mit dem Neubaugebiet Maximilians Quartier, der energetischen Optimierung der Mierendorff-Insel, dem Energiekonzept für die Mercedes-Benz Arena und der Power-to-heat/Power-to-cool-Anlage auf dem EUREF-Campus einige Vorzeigeprojekte für ein neues Verständnis von CO2-Einsparungen im Gebäudebereich entwickelt, erläutert Holtmeier. 

Das Maximilians Quartier wird mit 970 Wohnungen neu gebaut. Die GASAG Solution Plus errichtet vier Energiezentralen mit Blockheizkraftwerken, die Mieterstrom liefern und installiert 250 Ladepunkte für Elektroautos. Ziel ist es, ein intelligentes Lastmanagement zwischen dem Quartiersnetz und dem Berliner Stromnetz zur Vermeidung von Lastspitzen zu entwickeln. Auf dem EUREF-Campus ist seit einem Jahr die erste Power-to-Heat-/Power-to-Cool-Anlage Deutschlands in Betrieb – als Teil des Forschungsprojektes WindNODE. Das klimaneutrale Energiekonzept für das Quartier sei ein Beispiel, wie es in 2050 überall in der Stadt aussehen könnte. Auf dem EUREF-Gelände hat die Gasag gezeigt, dass eine klimaneutrale Energieversorgung nicht teurer sein muss als eine konventionelle.

Holtmeier sieht auch die Weiterentwicklung im Verkehrssektor differenziert:  Ziel müsse die Eco-Mobilität sein, also der Einsatz unterschiedlicher Kraftstoffe je nach Nutzungsverhalten. Für kleinere PKW in einem städtischen Umfeld bringe der elektrische Antrieb viele Vorteile und ermögliche neue Mobilitätskonzepte. Im Bus-, Schwerlast- und Schiffsverkehr werde es weiterhin bei Verbrennungsmotoren bleiben, die aber mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden können. Bei einem Anteil von 20 Prozent Bio-Erdgas im Erdgasnetz könnten Gasfahrzeuge rund 40 Prozent CO2 einsparen. Das sei deutlich effizienter als alle Fahrzeuge auf Strom umzustellen, so Holtmeier.

Derzeit gebe es viele technische Innovationen in sehr kurzer Folge. In diesem Umfeld sei es wichtig, flexible, hybride Systeme zu entwickeln, die sich schnell anpassen können. Mit steigendem Anteil erneuerbaren Energien würden intelligentes Lastmanagement und Speicherung werden die zentralen Themen der Stromversorgung werden. Um 65 Prozent erneuerbare Energien zu integrieren sei die Power-to-Gas-Technologie eine wichtige Zukunftstechnologie, die den Strom- und Gassektor verbindet. Das Transportsystem der GASAG sei grundsätzlich anpassungsfähig. Vor 170 Jahren wurde mit Stadtgas begonnen und später auf Erdgas umgestellt. In Zukunft werde es wahrscheinlich Wasserstoff sein. Die Zukunft liege nicht in einer All-Electric-Society, betont Holtmeier. Die Klimaschutzziele könnten nur erreicht werden, wenn alle vorhandenen Infrastrukturen für Strom, Wärme und Gas für ganzheitliche Lösungen genutzt werden.

Das vollständige Interview ist in EW 9/2018 erschienen.

Bildquelle: GASAG

www.gasag.de