Transparenz zwischen Stromzähler und Waschmaschine

Fresh Energy_Daniel von Gaertner_Bild2Mit der Digitalisierung tritt bisher Verborgenes an Licht. Der Stromverbrauch des Kühlschranks oder der Waschmaschine muss nicht länger ein Geheimnis sein. Dieser Markt hinter dem Zähler ist seit gut einem Jahr das Kerngeschäft des Start-Up-Unternehmens Fresh Energy. Als digitaler Energieversorger bietet er neben Strom vor allem Services auf Basis von Smart-Meter-Daten an. Bei den Kunden kommt die Transparenz über den Stromverbrauch gut an. Im Gespräch mit der Zeitschrift ew – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert Daniel von Gaertner das Geschäftsfeld.

Das Unternehmen, das sich selbst als das „erste voll digitale Energieunternehmen Deutschlands auf Smart Meter-Basis“ bezeichnet, hat den Energiemarkt um ein Segment erweitert, das bisher eine Blackbox war. In der Vergangenheit war der Kunde in der Energiewirtschaft ein Zähler. Stromversorgung kann aber viel mehr als Verkauf und Lieferung sein, ist von Gaertner überzeugt. Fresh Energy bietet daher Dienstleistungen im Bereich Data Design, Data Science, und Nutzererfahrung an. Mit einer Wertschöpfung aus Services, Beratung und Abomodellen rund um den Smart Meter will das Unternehme langfristigen Umsatz generieren.

Die neuen Produkte werten die Daten des Smart Meters aus und stellen den Stromverbrauch der Haushaltsgeräte übersichtlich dar, erläutert von Gaertner. Der Kunde kann dadurch seinen Stromverbrauch in Echtzeit visualisieren. Dieser Komfort ist  in anderen Bereichen schon selbstverständlich: Unser Auto zeigt den Spritverbrauch an und mein Fitness-Armband zeichnet die Schritte auf. Auch den Verbrauch des Datenvolumens bei einem Mobiltelefon sehen wir in Echtzeit. Der Stromverbrauch wird hingegen einmal im Jahr abgelesen und dann abgerechnet. Mit der Digitalisierung gibt es viele Möglichkeiten das zu ändern.

Dabei darf die Interaktion mit dem Kunden auf keinen Fall langweilig sein, so der Geschäftsführer des Start-ups. Der Strom wird klassisch zum  Leistungs- und Arbeitspreis geliefert. Die Kunden zahlen monatlich nur das, was sie tatsächlich verbraucht haben. Es gibt keine Abschlagszahlungen im Voraus. Für den Kunden bedeutet das Sicherheit über die Kosten. Dadurch werden Nachzahlungen vermieden. Der Kunde hat die Sicherheit, dass er bei einem Wohnungswechsel nicht am Jahresende 300 Euro nachzahlen muss.

Für den Kunden muss eine Kontrolle des Stromverbrauchs vor allem einfach sein, so von Gaertner. Mit den 2-Sekunden-Daten aus dem Smart Meter lassen sich die Verbrauchsmuster aller größeren Geräte ablesen. Analysiert werden Drei-Phasen, da die Geräte auf unterschiedlichen Phasen laufen. Die einzelnen Geräte erkennen  selbstlernenden Algorithmen über eine Art Fußabdruck: Der Kühlschrank geht beispielsweise jede Stunde für 10 Minuten an und verbraucht 100 Watt. Bei der Spülmaschine gibt es zu Beginn und zum Ende des Spülvorgangs eine Verbrauchsspitze. Etwa 70 % des Stromverbrauchs im Haushalt können auf diese Weise erklärt werden.

Es geht darum, den Kunden Empfehlungen für Energieeinsparungen zu geben, ohne dass der Komfort darunter leidet. Der Strombedarf eines älteren Kühlschranks lässt sich mit dem eines neuen Kühlschrankes vergleichen und die Einsparung sowie die Amortisierung einer Neuanschaffung ausrechnen. Auch die Ersparnis eines Eco-Waschgangs einer Spülmaschine wird deutlich. Der Kunde sieht also genau, was er für den einzelnen Vorgang bezahlt und kann eine sinnvolle Entscheidung über seine Geräteausstattung und die Bedienung treffen.

Jede Woche erhält das Unternehmen neue Ideen von Kunden, was sie sich in diesem Bereich wünschen. Aktuell wird mit einem Partner die automatische Lieferung von Spülmaschinentabs pilotiert. Basis dafür sind die aufgezeichneten Spülvorgänge. Das Modell lässt sich natürlich auch auf Espressokapseln, Wartung oder Assistenzdienste übertragen.

Das vollständige Interview ist in ew 6/2018 erschienen.

Weiterführender Link zum Thema:

www.getfresh.energy

 

Bildquelle: Fresh Energy