LNG: Von den Niederlanden lernen

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Flüssigerdgas (Liquified natural Gas – LNG) ist in den Niederlanden als Treibstoff für LkW bereits Realität. Deutschland könnte seine CO2-Bilanz im Transportsektor durch den Einsatz von Flüssigerdgas entscheidend verbessern. Auch niedrige Treibstoffkosten sprechen für eine Einführung als Kraftstoff für LKW und Schiffe. In der Zeitschrift „ew – Magazin für die Energiewirtschaft“ erläutert Stijn van Els, Vorsitzender Shell Deutschland, was Deutschland von den Niederländern im Bereich Small-scale LNG lernen kann.

In den Niederlanden haben Politik, Industrie und Wirtschaft 2012 einen „Green Deal“ um die Anzahl LNG-betriebener Lkw, See- und Binnenschiffe zu erhöhen. Shell hat derzeit vier LNG-Tankstellen in den Niederlanden in Betrieb, weitere sollen folgen. „Erdgas ist ein sauberer Kraftstoff. Gasmotoren verursachen deutlich weniger Aufwand bei der Abgasreinigung. Zudem können Erdgaskraftstoffe helfen, die CO2-Bilanz zu verbessern, vorausgesetzt die Motoren sind entsprechend effizient“, so van Els.

Derzeit sind etwa ein Viertel der Emissionen im Straßenverkehr dem Schwerlastverkehr zuzurechnen. LNG bietet in diesem Bereich eine Alternative zu Dieselmotoren. Außerdem entsteht beim Betrieb von Gasmotoren weniger Lärm. Das ist für die Belieferung von Supermärkten in Innenstädten ein großer Vorteil. Emissionsarmes LNG ist auch für die Schifffahrt eine umweltfreundliche Antriebsalternative.

In Deutschland gibt es bislang noch keinen Markt für LNG als Treibstoff für Lkw. Van Els beobachtet aber, dass das Thema in der Politik zunehmend Interesse findet. Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung sieht einen Aktionsplan zur Markteinführung von LNG vor. Wichtig sei es, so van Els, Anreize auf der Nachfrageseite zu schaffen. So sei die anstehende Verlängerung der Steuererleichterung für Erdgas als Kraftstoff in Deutschland ein erster Schritt. Damit werde die Wirtschaftlichkeit für den Einsatz von LNG und damit auch die Nachfrage gestärkt. Investitionen in die nötige Infrastruktur würden dann folgen.

„Ein „Green Deal“ wie in den Niederlanden ist in Deutschland wahrscheinlich nicht möglich. Trotzdem können wir einige Punkte „abgucken“, zum Beispiel die gute Zusammenarbeit zwischen allen Marktakteuren. Nutzer, d.h. Spediteure und Reeder, Infrastrukturanbieter und Motorenhersteller arbeiten in den Niederlanden gemeinsam mit der Politik an einheitlichen Sicherheitsstandards für Betankungsanlagen, der Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für den Infrastrukturaufbau, der Bereitstellungen von Informationen und der Schaffung von Kundenanreizen zum Umstieg“, erläutert van Els. In den Niederlanden gebe es zudem eine klare Strategie der Regierung und Behörden den Transportsektor nachhaltiger zu gestalten. Dies könne beispielsweise durch finanzielle Förderung und potentielle Eigennutzung der öffentlichen Hand geschehen. Darüber hinaus sollten alle europäischen Staaten im Rahmen der Umsetzung der Direktive zum Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) bis Ende 2016 eine Strategie zum Aufbau einer LNG-Infrastruktur erarbeiten.

Das vollständige Interview mit Stijn van Els ist in ew 7/2016 erschienen.

Die Niederlande sind auch bei der Förderung erneuerbarer Energien über ein Auktionssystem wegweisend gewesen.