Ehrgeizige Ziele und der Weg dorthin

Deutschland hat sich beim Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt. Das Wort „ehrgeizig“ signalisiert, dass der Weg dorthin einiger Anstrengung bedarf. In einer gemeinsamen Studie haben sechs Institute nun veranschaulicht, was diese Zielsetzung für Wirtschaft und Gesellschaft in den kommenden 30 Jahren bedeutet. Ein ausführlicher Bericht ist dazu in der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft 11-12/2020 erschienen. 

Indikatoren eines klimaneutralen Deutschlands

Das Szenario Klimaneutral 2050 gibt an, wie sich der Energieverbrauch verändern muss, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Bildquelle: Agora Energiewende

Nach den Berechnungen der Studie „Klimaneutrales Deutschland” im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität und durchgeführt von Wuppertal Institut, Prognos und Öko-Institut wird Strom langfristig zum zentralen Energieträger in allen Sektoren.

Dadurch werde der Stromverbrauch deutlich steigen.  Die Berechnungen ergeben, dass der Bruttostromverbrauch bis 2030 von 592 Terawattstunden im Jahr 2018 auf 643 Terawattstunden steigen werde. Für das Jahr 2050 gibt die Studie einen Bruttostromverbrauch von 962 Terawattstunden an.

Anstieg des Stromverbrauchs bis 2050

Bis 2030 wird der Stromverbrauch deutlich steigen. Bildquelle: Agora Energiewende

Deutlich mehr Solar- und Windanlagen

Ziel der Szenarien ist der Aufbau eines auf erneuerbaren Energien basierenden Stromsystems, das im Jahr 2050 mindestens 50 Prozent mehr Strom produziert als heute. Dazu sind deutlich höhere Investitionen in die Stromerzeugung nötig als bisher:  So wird 2030 mit 150 GW dreimal soviel installierte Photovoltaik-Leistung benötigt, wie derzeit. Auch die Kapazität für Windanlagen an Land muss danach von derzeit 54 GW auf 80 GW bis 2030 zunehmen. Auf See werde ein Anlagenbestand von 25 GW benötigt. Derzeit sind 8 GW vorhanden.

Wasserstoff als Stromspeicher und für Industrieprozesse

Wasserstoff sollte vor allem für die Speicherung von erneuerbaren Energien und bei der Verstromung in Gaskraftwerken zum Einsatz kommen. Vorrangig sollte Strom direkt genutzt werden, um hohe Energieverluste durch eine Umwandlung zu vermeiden. Wasserstoff anstelle von Kokskohle und bis 2050 auch als Ersatz für Erdgas könne den CO2-Ausstoss der Industrie drastisch senken.

Elektrisch unterwegs auf Straße und Schiene

Auf der Straße soll Strom wichtigster Energieträger werden. Bis 2030 müssten nach den Berechnungen 14 Millionen elektrische Fahrzeuge unterwegs sein. Dabei sollte auch im LKW-Verkehr ein Drittel der Fahrleistung bis 2030 mit elektrischen Antrieben erbracht werden. Der Schienengüterverkehr wächst im Modell bis 2030 um 44 Prozent. Für 2050 gehen die Berechnungen davon aus, dass jeweils ein Drittel des Straßengüterverkehrs über Batterien, Oberleitungen und Brennstoffzellen angetrieben wird. Begleitende Maßnahmen sind eine Steigerung des Rad- und Fußverkehrs sowie Pooling-Konzepte für PKW.

Energetische Sanierung von Gebäuden und Stromheizung

Im Gebäudebereich wird in der Studie eine energetische Sanierung mit der Nutzung von Heizstrom bis 2050 kombiniert. Es ergibt sich eine um 50 Prozent höhere Sanierungsrate von rund 1,6 Prozent. Bereits 2030 solle danach in sechs Millionen Gebäuden mit Wärmepumpen geheizt werden. Der Verbrauch für Raumwärme und Warmwasser verringert sich nach den Berechnungen bis 2050 um 36 Prozent im Vergleich zu 2018.

Vermeidung von Methanemissionen in der Landwirtschaft

Der Landwirtschaftssektor soll bis 2030 Methanemissionen aus Gülle verringern und in Biogasanlagen vergären. Auch eine Verringerung der Tierbestände könne zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen. Beim Anbau sollten Kulturarten mit geringerem Stickstoffbedarf gewählt werden. Methanemissionen aus der Abfall-Deponierung sollen durch Belüftung bis 2030 sinken.

Reform der Energiebesteuerung nötig

Um die Klimaziele zu erreichen, empfiehlt die Studie einen Mix aus marktbasierten Anreizen, Förderung und Ordnungsrecht. Dazu gehöre eine umfassende Reform von Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energie. Die aktuellen Preisstrukturen förderten die Nutzung von Erdöl und Erdgas.

Ein ausführlicher Bericht ist dazu in der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft 11-12/2020 erschienen.

Hier die Links zu den an der Studie beteiligten Instituten:

www.agora-energiewende.de

www.agora-verkehrswende.de

www.stiftung-klima.de

www.oeko.de

www.prognos.com

www.wupperinst.com

 

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