Fraunhofer-Energiewende-Barometer 2019: Energiewende ist zu langsam

2019 Fraunhofer Symosium Energiewende_6243Der Umbau des Energiesystems steht unter Beobachtung von drei Fraunhofer-Instituten. Den jährlichen Entwicklungsstand fassen die Wissenschaftler im Energiewende-Barometer zusammen. Für 2019 haben drei Professoren der Fraunhofer-Institute in Kassel, Karlsruhe und Freiburg Veröffentlichung der Ergebnisse mit einer Warnung verknüpft. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen muss die Energiewende massiv vorangetrieben werden. Neben vermehrten Ausbau von Solar- und Windparks geht es vor allem darum, die Sektorenkopplung zu entwickeln.

„In die nächste Phase der Energiewende müssen die Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie unbedingt einbezogen werden. Dazu brauchen wir den politischen Willen und gesellschaftliche Akzeptanz, um die in Paris gesetzten Klimaziele zu erreichen,“ so das gemeinsame Fazit von Clemens Hoffmann, Leiter Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), Hans-Martin Henning, Leiter Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und Mario Ragwitz, stellvertretender Leiter Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung (ISI). Neben einem Ausbau einer CO2-freien Energieerzeugung bedeute dies eine Sanierung von Gebäuden, die Elektrifizierung der Wärmeerzeugung und der Mobilität sowie die Entwicklung CO2- emissionsfreier Industrieprozesse.

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Interview mit Lars Grotewold: Dekarbonisierung als Wachstumschance

Grotweold_Lars_2Klimaschutz wird oft als zusätzliche Belastung für die Wirtschaft gesehen. Das muss nicht sein: Über die Chancen einer Dekarbonisierung spricht Dr. Lars Grotewold, Leiter Bereich Klimawandel bei der Stiftung Mercator im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft.  

Die Mercator Stiftung hat gemeinsam mit anderen internationalen Stiftungen in einem Report dargestellt, dass Klimaerwärmung nicht nur ein Umweltschutzthema ist. Der Stiftungsverbund empfiehlt insbesondere den 20 führenden Industrienationen die Chancen einer Umgestaltung des Wirtschaftssystems zu nutzen. Klimaschutz muss die Wirtschaft nicht belasten, wenn der Umbau richtig vorangetrieben wird, erläutert Grotewold. „Wir sehen Dekarbonisierung als eine Voraussetzung für künftige Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Modernisierung.“

Dreh- und Angelpunkt der Empfehlungen ist eine Bepreisung der CO2-Emissionen.  Solange es nichts koste, die Atmosphäre zu belasten, werde dies weiterhin geschehen, ist Grotewold überzeugt. Die grundsätzliche Ausgestaltung könne entweder als Steuer oder über ein Handelssystem wie beim Emissionszertifikatehandel erfolgen. Aus beiden Systemen ließen sich Einnahmen für den Staat generieren, so dass steuerliche Entlastungen an anderer Stelle möglich seien, so Grotewold. Damit ließe sich wirtschaftliches Wachstum ankurbeln. Insofern sei die CO2-Bepreisung weniger ein Thema für Ökoaktivisten als vielmehr für die Finanzminister.

Das vollständige Interview ist in ew 8 /2017 erschienen.

Bildquelle: Stiftung Mercator