Interview mit Klaus Schäfer: Elektrolyseprozesse als Senken für Stromüberschüsse

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Schon heute stellt sich an manchen Tagen die Frage, wie überschüssiger Sonnen- und Windstrom sinnvoll verwendet werden kann. Künftig wird sich dieses Problem verstärken. Die Industrie stellt sich auf die Situation ein und verändert Produktionsprozesse. Im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert Dr. Klaus Schäfer, Technischer Vorstand der Covestro AG in Leverkusen, wie eine Sektorkopplung aus Sicht der Industrie aussehen kann. 

Als Beispiel für eine stärkere Flexibilisierung des Produktionsbetriebs nennt Schäfer die Kochsalz-Elektrolyse zur Chlorherstellung. Chlor ist ein Energieträger für chemische Prozesse. Um Chlor herzustellen, werden zwei Elektroden an einen Behälter mit Salzwasser angeschlossen. In der Mitte befindet sich eine Membran. Strom sorgt nun dafür, dass sich das Salzwasser in Chlor, Wasserstoff und Natronlauge aufspaltet. Kurzzeitig lässt sich der Prozess flexibel zurückfahren oder intensivieren. Bereits heute ist Covestro über den Energiedienstleister Currenta am Regelenergiemarkt tätig und bietet Minutenreserve. Während dieser Zeit wird auf Chlor aus der Lagerhaltung zurückgegriffen. Das Anlegen eines großen Chlorvorrat sei allerdings aus Sicherheitsgründen keine Option, betont Schäfer.

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Die Idee eines Kombinationsnetzbetriebs

IMG_2065.JPGNetze für Strom, Gas, Elektromobilität, Wärme, Wasser, Telekommunikation sind Bereiche, die bisher häufig von unterschiedlichen privaten oder kommunalen Unternehmen angeboten werden. Unter der Bezeichnung Sektorenkopplung sollen „vernetzte Netze“ nun für mehr Effizienz sorgen und zur vereinfachten Integration erneuerbarer Energien beitragen. In Berlin gibt es bereits konkrete Vorstellungen, wie eine Kooperation dieser – heute separierten – Netze durchgeführt werden sollte. Im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert  Wolfgang Neldner, Geschäftsleiter, Landesbetrieb Berlin Energie, die Idee eines Kombinationsnetzbetriebs.

In Berlin findet derzeit die Neuvergabe von Konzessionen für das Gas- und Stromnetz statt. Der Landesbetrieb Berlin Energie wurde 2012 gegründet, um die Teilnahme des Landes Berlin an den Verfahren zu ermöglichen. Kurzfristiges Ziel des Unternehmens ist der Erwerb der rechtswirksamen Konzessionen für das Gas- und Stromverteilungsnetz von Berlin. „Langfristig streben wir einen sparten- und energieartenübergreifenden Kombinationsnetzbetrieb in kommunaler Verantwortung an, “ so Neldner. Das ganze Versorgungssystem werde über die Netze gesteuert. Berlin als schnell wachsende Metropole mit einer hohen Konzentration unterschiedlichster Netze auf engstem Raum könne bei einer Transformation dieser Energiesysteme zu einem Leuchtturm für Deutschland werden. Prognosen für die Hauptstadt gehen von vier Millionen Einwohnern im Jahr 2030 aus. Das wäre ein Zuwachs von einer halben Million Menschen in den nächsten 15 Jahren.

Dahinter steht eine neue strategischer Ausrichtung einer Energiewende, die über eine Erzeugungs- und Stromwende hinaus geht.  Neldner: „Da die Speicherung von Elektrizität sehr begrenzt ist und die regenerativen Energien „naturgesteuert“ zur Verfügung stehen, kommt der Energieumwandlung eine zunehmende Bedeutung zu. Gas und Wärme sind sehr gut speicherbar und die Vernetzung erfolgt – neben lokalen Verknüpfungen – vor allem über die Kombination der Verteilungsnetze.“ Dies erfordere eine leistungsstarke Informations- und Kommunikationstechnik.

Auch in Berlin wird der „Energieabnehmer“ immer mehr zu einem Multi-Akteur, der Energie mit eigenen Anlagen bereitstellt, umwandelt, speichert, in das Netz speist oder daraus entnehmen wird. Ein kommunaler Berliner Verteilungsnetzbetreiber von morgen könne „mit den Netzen aus einer Hand“ hier Partner, Vermittler und sogar auch Kunde sein. Berlin ist bisher eine der wenigen Städte Deutschlands, in der alle netzbezogenen Dienstleistungen von unterschiedlichen Unternehmen durchgeführt werden. Beim Neuanschluss eines Hauses sind laut Neldner z.B. einzelne Anträge bei den jeweiligen Netzbetreibern erforderlich. Durch fehlende Koordination der Anschlusstermine kommt es z.B. vor, dass die Anlieger-Straße nacheinander mehrfach aufgerissen wird. Das sind unnötige Baukosten, mehr Lärm, Staub CO2 und einfach absolut vermeidbarer Stress. Nach dem Beispiel vieler anderer Städte will Neldner im Sinne der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger für geringere Kosten und mehr Schnelligkeit sorgen.

Zentrales Element ist die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Versorgung in der Hauptstadt. Neldner: „Ein Blackout darf auf gar keinen Fall passieren, das ist oberste Priorität. Durch die engere Zusammenarbeit der Sektoren, vor allem aber auch die spartenübergreifende Aus- und Weiterbildung, das regelmäßige übergreifende Training wird sich die Sicherheit deutlich erhöhen lassen.“ Anderenorts seien Kombimonteure der Normalfall, ein einheitliches Anlagen-, Service- und Entstörungsmanagement, oder eine Verbundwarte für Wärme, Strom, Gas und Wasser bewährte Praxis. Auch hier werde durch einen kommunalen Netzbetreiber, von und für Berlin, größte Sorge getragen, dass in jeder Lage ein enges Zusammenspiel mit den Senatsverwaltungen, der Feuerwehr, der Bezirke, der Berliner Verkehrs-und Wasserbetriebe und natürlich des Technischen Hilfswerks, der Polizei und weiterer Stellen gewährleistet wird.

Das vollständige Interview ist in ew 6 /2016 erschienen.