Lokale Strommärkte – ein Missing Link ?

Dr. Stefan NießenTechnisch ist ein Stromsystem, in dem sich die Verbraucher an die Erzeugungssituation anpassen, inzwischen gut vorstellbar. Die Frage nach der Motivation der Teilnehmer ist hingegen noch offen. Warum sollte jemand auf Strom zeitweise verzichten, wenn er dafür keine Gegenleistung erhält? Tatsächlich gibt es in diesem Bereich für kleine Mengen noch keinen Markt mit Preisbildung. Das Unternehmen Siemens hat nun dieses Thema zum Bestandteil eines Forschungsprojektes gemacht. Nach ersten Einschätzung können lokale Strommärkte einige Vorteile bringen.

In der Online-Ausgabe http://www.ew-magazin.de ist dazu bereits eine Vorschau auf ein längeres Interview mit Dr. Stefan Nießen, Siemens, erschienen: https://www.ew-magazin.de/siemens-untersucht-vorteile-lokaler-strommaerkte/

Bildquelle: Siemens

 

 

Interview mit Klaus Schäfer: Elektrolyseprozesse als Senken für Stromüberschüsse

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Schon heute stellt sich an manchen Tagen die Frage, wie überschüssiger Sonnen- und Windstrom sinnvoll verwendet werden kann. Künftig wird sich dieses Problem verstärken. Die Industrie stellt sich auf die Situation ein und verändert Produktionsprozesse. Im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft erläutert Dr. Klaus Schäfer, Technischer Vorstand der Covestro AG in Leverkusen, wie eine Sektorkopplung aus Sicht der Industrie aussehen kann. 

Als Beispiel für eine stärkere Flexibilisierung des Produktionsbetriebs nennt Schäfer die Kochsalz-Elektrolyse zur Chlorherstellung. Chlor ist ein Energieträger für chemische Prozesse. Um Chlor herzustellen, werden zwei Elektroden an einen Behälter mit Salzwasser angeschlossen. In der Mitte befindet sich eine Membran. Strom sorgt nun dafür, dass sich das Salzwasser in Chlor, Wasserstoff und Natronlauge aufspaltet. Kurzzeitig lässt sich der Prozess flexibel zurückfahren oder intensivieren. Bereits heute ist Covestro über den Energiedienstleister Currenta am Regelenergiemarkt tätig und bietet Minutenreserve. Während dieser Zeit wird auf Chlor aus der Lagerhaltung zurückgegriffen. Das Anlegen eines großen Chlorvorrat sei allerdings aus Sicherheitsgründen keine Option, betont Schäfer.

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Modellprojekt WindNODE: Flexibel mit Windstrom umgehen

 

windkraft_vetschau__3_Der Anteil von Sonnen- und Windstrom steigt in Deutschland stetig. Im Vergleich zu den langfristigen Zielen für 2050 sind die derzeitigen gut 30 Prozent aus erneuerbaren Energien allerdings eher klein. Über die Integration größerer Anteile fluktuierender Erzeugung gibt jedoch erst wenig Erfahrungen. Das vom Forschungsprojekt WindNODE will diese Lücke in den nächsten 4 Jahren schließen. Weiterlesen

Demand Side Management der Industrie wird überschätzt

IMG_0212Eine flexible Nachfrage gilt als Schlüsselfaktor im künftigen Stromsystem. Durch kurzzeitige Reduzierung oder Abschaltung von Großverbrauchern soll fehlende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Schon heute kontrahieren Netzbetreiber in der Industrie abschaltbare Lasten. Ob sich diese Praxis aber ausweiten wird, ist fraglich, denn viele Produktionsprozesse brauchen kontinuierlich Energie. Im Interview mit der Zeitschrift EW – Magazin für die Energiewirtschaft, Ausgabe 5/2015 erläutert Dr. Frank Holtrup, Covestro, welche Bedeutung ein gleichbleibender Energieverbrauch für die Industrie hat .

Vor dem Hintergrund einer Weiterentwicklung des Strommarktes geht die Bundesregierung geht von einem Potenzial von 5 bis 15 GW Demand Side Management (DSM) in der Industrie aus. Der Begriff werde allerdings sehr unterschiedlich verwendet.  Auf Seiten der Verbraucher sollte zwischen Verschiebung und Verzicht unterschieden werden: Bei der Lastverschiebung werde für eine oder mehrere Stunden weniger Strom verbraucht als ursprünglich geplant, dieser Bedarf werde aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Der Produktionsprozess wird also nur zeitlich verschoben, ohne dass sich der Output ändert. Beim Lastverzicht hingegen werde die Last ganz oder teilweise ohne Nachholmöglichkeit reduziert. Da im letzteren Fall weniger Energie eingesetzt werde, werde auch weniger produziert.

Flexible Fahrweisen auf der Nachfrageseite bieten auf den ersten Blick mehrere Vorteile für ein Energiesystem auf Basis fluktuierender Erzeugung, erläutert Holtrup. Die Verbraucheranlagen sind in den meisten Fällen bereits vorhanden und müssen nicht neu gebaut werden. Sie dienen zwar vorrangig dazu, Güter zu produzieren, aber als große Energieverbraucher haben sie einen entscheidenden Einfluss auf die Last im Netz. Eine gezielte Steuerung des Stromverbrauchs kann sich stabilisierend auf den Netzbetrieb auswirken. So eine Systemdienstleistung lasse sich auch als Regelenergie vermarkten. Daraus ergebe sich eine zusätzliche Einnahmequelle für den Industriebetrieb.

Die Bereitstellung von Flexibilität auch bei vorhandenen Anlagen sei nicht ohne Zusatzkosten möglich. Es müssen organisatorische Maßnahmen zur Vermeidung von Lastspitzen oder auch Investitionsmaßnahmen für Schichtbetrieb, Produktspeicher und Lagerhaltung getroffen werden. Das Unternehmen muss sich komplett auf diese zusätzliche Leistung einstellen.

Sinnvoll sei so eine Nachfragesteuerung vor allem in der energieintensiven Industrie, weil sich hier mit wenigen Anlagen große Lasten steuern lassen. Neben der Chlorherstellung gehört beispielsweise die Produktion von Aluminium, Kupfer, Stahl, Papier und Zement zu den Industrien, die für DSM grundsätzlich in Frage kommen. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist der Teilnehmerkreis aber wesentlich geringer: Die Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) orientiert sich an den Betriebsparametern einiger Industriezweige, die relativ häufig und für kurze Zeiten die Energiezufuhr drosseln können. Das ist nicht in allen Branchen und Prozessen gleichermaßen möglich. In der Chemieindustrie sei das eher schwierig.

Viele Produktionsanlagen in der Industrie wurden im Laufe der Jahrzehnte so optimiert, dass sie möglichst gut unter konstanten Bedingungen produzieren. Alle Unternehmen versuchen, diese „Strichfahrweise“ möglichst einzuhalten. Diese Gleichmäßigkeit widerspricht einer hohen Volatilität, wie sie die Stromerzeugung aus Sonne und Wind mitbringt.

Das vollständige Interview ist ew 5/2016 erschienen.